Interview über Systemisches Coaching mit Frau Schuler, Standortleiterin Trakehner Straße und Prokuristin beim Zentrum für Weiterbildung

Was Systemisches Coaching ausmacht

Ein Systemisches Coaching ist ein individueller Prozess, bei dem es u.a. um die Ressourcen des Teilnehmenden also des Coachees geht, um schnelle Veränderungen zu erzielen. Auch wenn es manchmal nur kleine Schritte sind. Mit den entsprechenden Tools, dem Inbetrachtziehen der jeweiligen Rahmenbedingungen der Zeit-Epoche, in der der Coachee aufgewachsen ist, aber auch mit Humor, Empathie und Interesse am Anliegen, wird der Coachingprozess zu einer erkenntnisreichen und richtungsweisenden Reflexionserfahrung.

„Coachings sind bei uns teilnehmendenzentriert. D.h. es gibt zunächst ein Anliegen der Veränderung. Mit verschiedenen Methoden kommt man jedoch zu hilfreichen Ergebnissen“, erklärt die Standortleiterin und Prokuristin Frau Ute Schuler. Sie ist ausgebildete Systemische Beraterin, hat eine langjährige Erfahrung im pädagogischen Bereich sowie im Coaching und hat ihre zusätzliche Ausbildung als beratende Therapeutin bald abgeschlossen. Dadurch können noch weitere, wichtige Ansätze eingebunden werden.

„Die Coaches hier bei uns haben eine fundierte Ausbildung, sie sind also Fachleute.“

Lösungsorientierung ist die Grundlage des Coachings bei Jugendlichen und Erwachsenen

Bei Jugendlichen geht es um Orientierung, Ausbildung oder Studium, bei Erwachsenen um Arbeit. Die Methoden, die angewendet werden, funktionieren bei allen Altersgruppen. „Der Coach schaut, was der Coachee will. Der Mensch steht im Vordergrund und die Lösungsorientiertheit. Es geht also nicht darum, einen Menschen irgendwo zu halten“, erklärt Ute Schuler, die immer auch nach unterstützenden Komponenten schaut. „Bei einem selbstzahlenden Studenten hat sich z.B. herausgestellt, dass sein Studium, das er gewählt hat schwerpunktmäßig mit Mathe zu tun hatte. Da hätte er viele Lücken und hätte viel nachholen müssen, was zur Überforderung führte. Das grundsätzliche Interesse war da und wir haben einen Weg gefunden, wie er dieses einbinden kann. Wir haben ganz praktische Methoden wie Zeitplanerstellung angewandt und geschaut, wer ihn wann unterstützen kann. Daran hatte er vorher nicht gedacht. Was darf ich einfordern? Was brauche ich, um mein Ziel zu erreichen? Mit diesem Coachee wurde ein alternativer Bildungsweg erarbeitet“, berichtet Ute Schuler mit viel Begeisterung.

Ihr ist es wichtig, im kurzgefassten zeitlichen Rahmen schnell voranzukommen. „Ich kann allerdings nicht mehr machen, als der Coachee mitbringt oder zulässt, aber ich habe einen sportlichen Ehrgeiz, zum Erfolg zu kommen.“ Lebhaft berichtet sie davon, wie erfrischend es sein kann, ganz unterschiedlichen Denk- und Reaktionsweisen zu begegnen und Menschen bei einer Neu- oder Umorientierung zu unterstützen. Auch eine Nachbetreuung liegt ihr sehr am Herzen.

Ressourcen werden gestärkt und Ängste verringert

Obwohl es sinnvoll ist, seine „Komfortzone“ zu verlassen, haben manche Menschen wegen ihrem extremen Sicherheitsbedürfnis Angst davor. Verlässt man sie jedoch, hat das Vorteile, denn dann kommt Entwicklung zustande.

Der Vorteil des Systemischen Coachings ist, dass positiv umgedeutet werden kann. Das, was zunächst als Problem oder Schwierigkeit angesehen wird, wird genauer betrachtet und die bisher nicht wahrgenommenen positiven Aspekte ausfindig gemacht. Durch Umdeuten (Refraiming) wird ein positiver Blick auf Ereignisse gerichtet. Diese positive Sichtweise ändert etwas im System. Um Druck und Selbstkritik zu verringern, sind gemeinsam kreierte Sätze wie „ich habe die Freiheit, selbst zu entscheiden“ förderlich. Gnädiger mit uns selbst umzugehen, im Handeln zu bleiben, die eigene Wahrheit zu reflektieren und die vielen Zwischentöne und Schattierungen zu sehen, ist ein wichtiges Ziel des Coachings. Als Coach ist Frau Schuler neugierig auf das, was Menschen mitbringen und was sie bewegt.

„Die Grundlage sind die Ressourcen, welche die Teilnehmenden oder Coachees mitbringen, denn wir arbeiten im Systemischen Coaching immer ressourcenorientiert.“

Erfolge, Prozesse und das Überwinden von Hindernissen

Perspektiven zu erweitern und in erreichbare Ziele umzusetzen sind bedeutende Erfolge. So konnte beispielsweise ein Coachee ihre lang gehegte Idee, an der Uni zu dozieren, erweitern. Da haben wir uns gefragt: „Was könnte noch Unterrichten sein?“ Wir konnten ihr hier mit ihrem abgeschlossenen Chemie-Studium die Möglichkeit geben, damit einzusteigen und sich zu erproben.“

Wesentlich ist, eine Entscheidung bewusst zu treffen. Das fällt uns oft nicht leicht, denn es bedeutet, etwas anderes loszulassen. Die Ideen und Wünsche der Teilnehmenden werden immer ernst genommen. Entscheidungen treffen grundsätzlich die Coachees. Es werden gemeinsam Wege erarbeitet, welche Möglichkeiten es gibt, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Dazu ist es wichtig, die benötigten Netzwerke aufzubauen. Das übergeordnete Ziel ist die Integration in den Arbeitsmarkt.

Auch vermeintliche Hindernisse werden betrachtet und in den beruflichen Weg eingebaut, so berichtet Ute Schuler. Sehr wichtig ist neben dem Blick über den Tellerrand auch der Plan B. Hier wird im Coaching genau geschaut, welche Chancen und Möglichkeiten die lebensweltlichen Konditionen schaffen können. Gut ist es immer, wenn der Coachee weiß, in welche Richtung es gehen soll.

Essentiell ist gleichfalls, zu berücksichtigen, was der Arbeitsmarkt bietet. Es ist wichtig zu analysieren, welche Bedingungen nötig sind und wie man diese auf dem Arbeitsmarkt finden kann. Werte und Glaubenssätze bilden eine weitere wichtige Grundlage. Es ist ideal, wenn man diese im Beruf wiederfindet. Sie können im Coaching skaliert, also nach Wichtigkeit eingestuft werden. Das Blickfeld wird erweitert, dazu gehören auch Themen, wie das Lösen von Konfliktsituationen. Der Beziehungsaufbau ist eine grundsätzliche Basis des Coachings und ist wichtig für dessen Erfolg.

Wie werden Coachings finanziert?

Es besteht die Möglichkeit, das Coaching entweder über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS), den die Bundesagenturen für Arbeit bzw. die Jobcenter ausstellen oder als Selbstzahler zu finanzieren.

Ein Coaching dauert ca. 10 Stunden, wobei eine Sitzung 1,5 Stunden dauert. Es ist also in einen übersichtlichen Zeitrahmen mit wenigen Terminen gefasst. Das Systemische Coaching führt zu einem nächsten Schritt und ermöglicht eine konstruktive Wendung. Es ist kompakt und effektiv.

Wichtig ist neben den persönlichen Erfolgen auch die berufliche Integration. Das kann auch ein Probearbeiten oder ein Praktikum sein. Abbrecher gibt es bislang keine. Auch ist sich Ute Schuler der Situation der Generationen sehr bewusst. „Ich schaue auch immer, was der kleinste gemeinsame Nenner ist“, erklärt Ute Schuler. Denn da hat jede Generation ihre eigenen Herausforderungen zu stemmen und die vermeintlichen Nachteile einer bestimmten Zeit können auch zu Vorteilen für den Einzelnen werden, wie z. B. der Mangel an Fachkräften. Werte und Sichtweisen zu überprüfen und in Bezug zum Beruf zu setzen ist wichtig, um Nachhaltigkeit zu fördern.

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